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25.03.10

Stadtbahn: Die Planung vor der Planung

HOCHBAHN prüft vor Planfeststellungsverfahren alle Interessen

Dafür, dass in den letzten Monaten mehr als 1 400 Eingaben über seinen Schreibtisch wanderten, ist Michael Heidrichs Büro erstaunlich ordentlich. Schmale Mappen stapeln sich auf seinem Tisch, dicke Ordner stehen im Regal. „Im Herbst haben wir rund 70 Trägern öffentlicher Belange (TÖB) die Vorentwurfsplanung für den ersten Bauabschnitt der Stadtbahntrasse geschickt. Mitte Januar haben uns die letzen Stellungnahmen erreicht“, sagt der Projektleiter der Planungsgruppe Stadtbahnbau. Bis April wollen die Planer alle Eingaben der TÖB, zu denen Behörden, die Feuerwehr, Bezirksämter und Naturschutzverbände gehören, in die Planungsunterlagen einarbeiten. „Wir wollten alle Seiten früh ins Boot holen“, so Heidrich. „Dass wir nun an vielen Stellen die Planung überarbeiten müssen, hatten wir erwartet.“



Die Abstimmungsunterlagen für die TÖB waren kein formaler Verfahrensschritt, sondern freiwillig. Jeder sollte mitreden können. Wie bewältigt das 16-köpfige Team um Michael Heidrich diese Menge an Stellungnahmen? „Wir haben sie in Einzelpunkte zerlegt und kamen so auf über 1 400“, sagt der Bauingenieur. Diese Punkte gingen sie abschnittsweise durch, Straße für Straße arbeiteten sie alle Aspekte der Planung ab: „Nur das ergibt Sinn. Wenn man nur Einzelpunkte versucht zu optimieren, würde man an vielen Stellen andere Dinge ausblenden, die sich vielleicht widersprechen.“

Jeder Blickwinkel wird behandelt, Alternativen werden abgewogen, Lösungen gefunden. Dazu haben die Hochbahner ein Bewertungssystem geschaffen, das sie auf jeden Abschnitt anwenden. „Entlang der Strecke gewichten wir einzelne Punkte durchaus unterschiedlich. Zum Beispiel hat das Thema Parkplätze in Eppendorf eine andere Bedeutung als am Stadtpark.“

Unterwegs am Stadtpark erläutert Michael Heidrich, wie sinnvoll der Dialog zwischen der HOCHBAHN und den Trägern öffentlicher Belange ist. „Hier am Jahnring wollten wir eigentlich die Stadtbahn direkt am Rand des Parks fahren lassen, um den Straßenumbau zu minimieren und nicht in den Autoverkehr einzugreifen. Diese Idee haben wir früh fallen lassen und überlegten, die Trasse an die Stadtparkkante zu legen, sodass der Park weitgehend unangetastet bleibt“. Zwar wäre dieser Streckenabschnitt auf eigenem Rasengleis attraktiv, doch müssten immer noch einige Bäume gefällt werden. Schließlich ergaben die Eingaben sowie eigene Recherchen, dass hier der Schutz einiger Fledermausarten gefährdet gewesen wäre, „und jetzt arbeiten wir an einer neuen Lösung“, sagt Heidrich und blickt auf den brausenden Verkehr auf dem Jahnring. „Wir suchen nach einem Weg, auf dem wir den Verkehrsfluss so gut wie nicht antasten müssen und obendrein die Fledermäuse schützen.“

Dennoch: Ist es nicht unheimlich schwierig, die einzelnen Interessen zu gewichten, gegensätzliche Wünsche zu bewerten? „Klar, aber zum einen haben wir bereits Erfahrungen in ähnlichen Projekten gemacht“, erklärt der ehemalige Berater für Bauvorhaben in Athen und China, „zum anderen diskutieren wir unsere Abwägungen und Varianten in einem Facharbeitskreis.“ Anschließend stellen die Planer die Ergebnisse in einem Lenkungskreis vor, in dem unter anderem Staatsrat Dr. Hugo Winters, Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter und weitere Amtsleiter sitzen. Hier werden die Varianten beschlossen.

Wie oft Michael Heidrich in den letzten Monaten draußen an der zukünftigen Stadtbahnstrecke war, kann er nicht mehr sagen. „Mit den meisten Einsendern der Stellungnahmen stehen wir in Kontakt, und natürlich gehören dazu oftmals vor Ort-Termine“, sagt Heidrich. Erst kürzlich ist er mit Vertretern des ADAC die Strecke abgelaufen und hat den Planungsstand dargestellt. Dabei besichtigten sie auch den Winterhuder Marktplatz, wo die HOCHBAHN acht verschiedene Haltestellenvarianten geprüft hat. Oberste Priorität: die Leistungsfähigkeit dieses Verkehrsknotens zu erhalten: „Es bringt uns doch nichts, einseitig die Stadtbahn zu sehen. Wir müssen mit dem Autoverkehr planen. Denn wenn die Autos im Stau stehen, steht auch die Stadtbahn im Stau. Beides wollen wir nicht.“